Tiergestützte Pädagogik

Tiere vermitteln Menschen das Gefühl gebraucht zu werden und geben ihnen eine Bestätigung der eigenen Kompetenzen. Sie vermitteln Nähe, Akzeptanz ohne Bewertung oder Abwertung und lösen Freude am Spiel aus. Diese positiven Effekte aus der alltäglichen Begegnung mit Tieren im häuslichen Rahmen können auch für die Begegnung mit Tieren im pädagogischen Alltag genutzt werden. Dieses Vorhaben nennt man tiergestützte Pädagogik.

 

Unter tiergestützter Pädagogik versteht man den professionellen Einsatz von Tieren im pädagogischen sowie im sonderpädagogischen Alltag. Es werden Interventionen im Zusammenhang mit Tieren durchgeführt, die anhand von konkreten, kindorientierten Zielvorgaben Lernprozesse unterstützt und in Gang gebracht werden. Mit dem Einsatz von Tieren in sozialen Einrichtungen wird schwerpunktmäßig die emotionale und soziale Kompetenz des Kindes verbessert. Ziel der tiergestützten Pädagogik ist außerdem vorhandene Ressourcen des Kindes zu stärken und unzulänglich ausgebildete Fähigkeiten zu verbessern.

Tiere und Tierfiguren sind für unsere Kinder im alltäglichen Leben allgegenwärtig. Sie besitzen eigene Haustiere oder Kuscheltiere, für jede Altersstufe gibt es Bücher und Zeitschriften über Tiere, außerdem gibt es natürlich zahlreiche Hörspiele oder Filme im Fernsehen, in denen Tiere auftauchen. Tiere werden entweder realistisch dargestellt, in Geschichten sind sie Begleiter und Helfer von Menschen, oder sie werden vermenschlicht. Dabei bestehen sie Abenteuer und durchleben Ängste und Nöte, die unsere Kinder von sich selbst kennen. In einer Stadt wie Berlin ist es für unsere Kinder immer schwieriger die Natur bewusst wahrzunehmen und reale Erfahrungen im Umgang mit der Natur und mit Tieren zu machen. Im Laufe der Jahre sind von Erzieherinnen im pädagogischen Alltag immer mehr Folgen der Verstädterung sichtbar geworden, Dies sind u.a. Störungen des Gleichgewichts, Raum- Lagegefühl, zunehmende Aggressivität, Konzentrationsschwäche, oder mangelnde Beziehungsfähigkeit.

In unserer Kita „Victoria“ begleitet uns Lotta unser Therapiehund regelmäßig im pädagogischen Alltag. Lotta ist eine zwei Jahre alte schwarze Labradorhündin, die am 23.01.2018 ihre Therapiehundausbildung erfolgreich absolviert hat. Das Wesen des Labradors ist freundlich. Aggression fehlt ebenso wie unangebrachte Scheu. Bei Labradoren ist der Wille zu Gefallen sehr ausgeprägt. Sie gelten als sehr gutmütige und freundliche Hunde. Dazu kommen Geduld und Ausgeglichenheit. Lotta begann am 30.03.2017 Ihre Ausbildung zur tiergestützten Pädagogik in der Hundeschule Berlin - Fellnase im Training. Ihre Ausbildung umfasst sowohl theoretische als auch praktische Stunden sowie Prüfungen. Der Einsatz von Lotta erfolgt nur von unserem pädagogischem Fachpersonal Sara Pohl, die für den Einsatz mit Lotta speziell trainiert wurde.

In unserer pädagogischen Arbeit zur tiergestützten Pädagogik möchten wir durch Kleingruppenarbeit, dass jedes unserer Kinder einen sogenannten Hundeführerschein erwerben kann. Dieser Hundeführerschein wird nach zehn Sitzungen mit insgesamt fünf Kindern absolviert.

Jede Sitzung besitzt einen gesonderten Schwerpunkt aufgeteilt sind diese in:

Stunde 1 - 4:
Theoretische Themen rund ums Thema Hund

Stunde 5 - 9:
Praktische Themen rund ums Thema Hund

Stunde 10:
„Prüfung“ mit abschließender Urkunde des Hundeführerscheins

 

Zusätzlich zu unserer Therapiehündin Lotta, besitzt unsere Einrichtung zwei Pferde:

Chico ein 7 Jahre alter brauner Hannoveraner und
Carlina ein 5 Jahre altes dunkelbraunes deutsches Sportpferd.

Beide Pferde stehen auf dem Reiterhof in Lübars und sind Eigentum von Masakids gUG (Chico) und Manatikids gUG (Carlina). Beide Träger arbeiten in enger Kooperation miteinander.

Eine Studie „Wert Pferd“ der der deutschen reiterlichen Vereinigung (FN) belegt, dass der Umgang mit Pferden einen wertvollen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern liefert. Ganz selbstverständlich lernen Kinder vom Partner Pferd soziale Kompetenzen, wie Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, Führungsstärke und strukturiertes Handeln.

Des Weiteren fördert der regelmäßige Umgang mit Pferden auch physische Wirkungen bei den Kindern, wie Entspannung und Senkung des Muskeltonus, die Senkung des Blutdrucks, die allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustandes durch motorische Aktivierung. Außerdem verbessert der Umgang mit Pferden die Reaktionsfähigkeit und Koordination.

Mentale und psychologische Wirkungen, die bei den Kindern ausgelöst werden, sind die Förderung des Selbstbewusstseins, emotionales Wohlbefinden und Stabilisierung durch Erleben von Körperkontakt. Des Weiteren werden die Kinder kognitiv angeregt (Lernen über Tierhaltung) und die Reduktion von Angst kann ausgelöst werden. Nicht außer Acht zu lassen ist die Psychologische Stressreduktion, die Pferde bei Kindern auslösen können, da sie nach gegenseitigem Vertrauensaufbau, die Erfahrungen von Geborgenheit im Zusammensein mit dem Tier erfahren. Denn durch die vorurteilsfreie Spiegelung des Pferdes und die liebevolle Zuwendung fühlen sich die Kinder emotional angenommen und es können Stress und Blockaden gelöst werden. Die Kinder entwickeln durch den Umgang mit Pferden ein ausgeprägtes Bewusstsein für Körpersprache, da dies die Grundvorrausetzung für die Arbeit mit Pferden ist.

Ein weiterer Aspekt zur tiergestützten Pädagogik mit Pferden ist die soziale Kompetenz, die die Kinder durch die Beziehungsarbeit zwischen Menschen und Pferden erfahren. Dazu gehört u.a. die Entwicklung von Empathie und Verantwortungsgefühl. Denn der Umgang mit Tieren fördert Respekt vor Lebewesen und Rücksichtnahme. Die Kinder lernen Grenzen zu erleben und setzen, indem sie Respekt erfahren und lernen, diesen auszustrahlen. Die Pferde fördern die Interaktion und Kommunikation, da sie die Kinder durch Vermittlung von Gesprächsstoff zur Sprache anregen.

Beispielsweise beim Putzen und Hufeauskratzen wird neben dem kognitiven Erwerb von Kenntnissen vor allem der taktile Bereich gefördert; Berührung des Fells, Erfühlen von eventuell schmutzigen Stellen, Arbeit mit dem Striegel mit verschieden starkem Druck, systematisches Arbeiten beim Putzen lernen, Angstbewältigung beim Hufeauskratzen unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften sowie dem Training beider Hände (auch der nicht dominanten) .

In der Regel wird in den ersten Stunden viel Zeit für Kontaktaufnahme und Kennenlernen des Pferdes, bzw. auch umgekehrt, verwendet. Dies geschieht vom Boden aus. Wir beobachten das Pferdeverhalten, wir nehmen Körperkontakt durch Putzen und Streicheln auf, wir üben, was es bedeutet ein Pferd zu führen. In diesem Zusammenhang finden Vertrauensübungen statt, wir finden heraus, wo das Pferd gern gestreichelt oder geputzt wird, wir beobachten, wie wir es durch unser Verhalten dazu bringen, sich zu entspannen oder aber von uns weg zu bewegen.

Später kann auch geritten werden, um die anderen positiven Eigenschaften zu erleben und zu spüren. Auch um Selbstbewusstsein aufzubauen aus dem Erleben, dass man in der Lage ist ein Pferd von oben „lenken“ zu können, ist der Kontakt zum Pferd sehr wichtig.

 

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